Gorrissen fordert: Alle Stimmen der Landratswahl neu auszählen

– Lübecker Nachrichten vom 06.06.2008 – Von Wolfgang Glombik

– Wahlpannen und kein Ende. Nachdem gestern Abend bei einer Nachzählung der Ergebnisse des Wahlkreises 3 in Bornhöved durch Wahlleiter Thorsten Wolf und anderen Mitgliedern des Kreiswahl

Offensichtlich hat nach zwei schwerwiegenden Wahlpannen kaum noch ein Verantwortlicher Vertrauen in das veröffentlichte vorläufige Wahlergebnis. „Nach meiner persönlichen Einschätzung bin ich dafür, noch einmal durchgängig durchzuzählen.“ Nur so werde man „Rechtsfrieden“ bekommen, betonte Gorrissen. Tatsächlich ist es wieder eine schwerwiegende Panne, die nach einem Zahlen-Tausch in Hasenmoor erst durch Zeugenaussagen zufällig bekannt wurde. Nach dem Bornhöveder Fauxpas ist der Vorsprung der SPD-Kandidatin auf Thomas Stritzl auf 117 Stimmen zusammengeschmolzen.

Ausgelöst hatte diese Lawine Renate von Keiser, Wahlhelferin im Bornhöveder Wahlbezirk 2, und der Wahlvorstand Hans-Otto Beckmann. Renate von Keiser legte offiziell Widerspruch gegen das Ergebnis der Landratswahl ein. Als Beisitzerin habe sie im benachbarten Wahlkreis beobachtet, dass die leitende Wahlhelferin aus Wahlkreis 3 mit dem Ausfüllen des Ergebnisprotokolls überfordert war und sie um Unterstützung bat. „So schrieb sie allein – es war nachweislich nicht ein einziger ihrer zuständigen Wahlhelfer mehr anwesend – das Wahlprotokoll“, heißt es in dem Schreiben. Es fehlte danach jegliche Kontrolle der korrekten Wiedergabe der Ergebnisse. Nach Aussagen von Wahlvorstand Hans-Peter Beckmann habe er anschließend alle Wahlunterlagen der drei Bornhöveder Wahlkreise zur Amtsverwaltung nach Trappenkamp gebracht. Im Beisein zweier Verwaltungsmitarbeiter seien dort alle Briefumschläge entsiegelt und geöffnet worden. Dabei sei festgestellt worden, dass ein Wahlprotokoll vom Wahlkreis 3 weder ausgefüllt noch unterschrieben war. Unklar sei, wer nachher das Protokoll nachträglich ausgefüllt habe. Danach seien die Wahlunterlagen erneut versiegelt worden, heißt in dem Schreiben. Das sei ein klaren Verstoß, bemerkte Kreiswahlleiter Thorsten Wolf. Nach kurzer Abstimmung wurde im Ausschuss beschlossen, noch einmal den Wahlbezirk 3 in Bornhöved durchzuzählen. Und dann war schnell klar, das hier ein Stapel Stimmzettel falsch zugeordnet worden war. Hartwieg hat diesen Wahlbezirk nur mit 215 und nicht mit 256 Stimmen gewonnen.

Die Mitglieder im Kreiswahlausschuss waren empört über die Fehler in Bornhöved. Gorrissen: „Ich finde das schlimm.“ Karl-Heinz Radetzki (CDU) bedankte sich bei den Zeugen für ihre Courage. Uwe Amthor (SPD) sprach von „Fehlverhalten“. Das dürfe aber nicht zu Misstrauen gegenüber allen Wahlhelfern führen.

Für den 23. Juni, 18 Uhr, soll der Kreiswahlausschuss wieder zusammengerufen werden. Dann soll endgültig entschieden werden, ob alle Wahlzettel zur Landratswahl noch einmal durchgezählt werden. Gorrissen war eindeutig dafür: „Wir müssen mit der Situation fertig werden. Anders geht es nicht.“

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