EU-Mythen haben ein hohes Verfallsdatum

Das Motto der Veranstaltung des Lions-Club Bad Segeberg-Siegesburg „Verordnung für gerade Gurken – was macht die EU sonst noch?“ war eine Steilvorlage für den CDU- Europaab-geordneten Reimer Böge, die er auch gleich nutzte, um mit den EU-Mythen ins Gericht zu gehen.
„Keine Legende über die Brüsseler Bürokratie hat sich länger gehalten als die über den vorge-schriebenen Krümmungsgrad von Gurken“, stellte Reimer Böge fest. „In Vergessenheit gerät dabei aber regelmäßig der Hintergrund für diese Vorschrift“. So habe die EU-Kommission, vor allem auch auf Wunsch des Handels, für die Einteilung in Handelsklassen Standards für Obst und Gemüse festgelegt. National habe es das schon immer gegeben. Für den Binnenmarkt mussten diese Standards aber europaweit geregelt werden. Das hieß eben, dass Gurken der besten Klasse nicht krumm, Äpfel der besten Klasse nicht winzig sein durften.

„Daraus darf man aber umgekehrt nicht schließen, krumme Gurken und kleine Äpfel sind verboten. Sie dürfen nur nicht in die Körbe der Handelsklasse 1A“, stellte Reimer Böge klar.

Wie der Europaabgeordnete weiter dazu informierte, werde nunmehr im Zuge des Bürokratieab-baus 26 dieser Normen- darunter auch für Gurken- gestrichen. Vorschriften sollten nur noch für zehn Obst- und Gemüsesorten gelten, die für den grenzüberschreitenden Handel am wichtigsten seien, wie z.B. Äpfel und Tomaten.

Bemerkenswert sei in diesem Zusammenhang allerdings auch, so Böge, dass der entsprechende Kommissionsvorschlag in einigen EU-Mitgliedstaaten wie z.B. Frankreich, Spanien, Polen oder Belgien, auf wenig Gegenliebe stieß. Hier hieß es, dass die Normen schließlich auf einen breiten Konsens zwischen Wirtschaft und Verbrauchern beruhen und die Standards den Händlern ihr Ge-schäft erleichtern würden.

Reimer Böge wies in seinen Ausführen darauf hin, dass es eine Vielzahl dieser so genannten EU-Mythen gebe, die leider all zu oft auch den Blick auf Europa trüben würden. Es handele sich dabei aber in der Regel um abenteuerliche Geschichten, die auf Hörensagen, Gerüchten oder Halbwahr-heiten basierten. Viele davon hätten ihren Weg immer wieder in die Medien gefunden und seien zum Teil so oft wiederholt worden, dass sie mitunter zu hartnäckigen „Wahrheiten“ in der öffentli-chen Meinung wurden.

„Es wäre schön, wenn über die wirklich wichtigen europäischen Themen so intensiv berichtet und diskutiert würde, wie beispielsweise über den Krümmungsgrad der Gurken“, so Reimer Böge ab-schließend.

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