SHZ – Haushaltsexperte Böge – Bei den Zahlen macht ihm niemand etwas vor

2009 ist ein Superwahljahr. Dass auch das EU-Parlament gewählt wird, ist vielen jedoch nicht bekannt. In unserer Serie beleuchten wir alles rund um diese Volksvertretung, die für fast 500 Millionen Menschen zuständig ist. Heute stellen wir Reimer Böge aus Hasenmoor (Kreis Segeberg) vor, den erfahrenen EU-Haushaltsexperten und schleswig-holsteinischen CDU-Spitzenkandidaten für die Europawahl.
Für Reimer Böge ist es schlicht die „130-Milliarden-Frage“: Wie erklärt man den Uneingeweihten und Außenstehenden das Besondere und Einzigartige des EU-Haushalts? Eines Haushalts, der für 2009 mit exakt 133,8 Milliarden Euro angelegt ist und in seiner Struktur und Ausgabenpraxis auch Experten manches Rätsel aufgibt. Böges Antwort kommt spontan und fast euphorisch: „Wir machen keine Schulden.“ Und dann startet er ein Erklärungsprogramm, das eingangs noch nachvollziehbar wirkt, dann aber immer filigraner und komplizierter wird.

Dieser in der Öffentlichkeit so umstrittene Etat sei doch eigentlich angesichts der Aufgaben der Europäischen Gemeinschaft vergleichsweise „bescheiden“. Nur etwa ein Prozent des Volkseinkommens der EU fließe jährlich in den EU-Etat, das mache etwa 235 Euro pro Einwohner aus. Ja, ein großer Batzen gehe nach wie vor an die Landwirtschaft, rund 40 Prozent. Aber noch mehr Geld werde für die Bereiche Forschung, Innovation und Beschäftigung aufgebracht, rund 45 Prozent des Gesamt- Etats. Und nicht einmal fünf Prozent werde für die viel und gerne gescholtene Bürokratie der EU-Institutionen verwendet. Je mehr es in die Details geht, desto technischer werden Böges Erläuterungen. Schließlich sagt er selbst: „Es ist kompliziert mit diesem gewachsenen Haushaltsrecht.“ Und lacht so befreit, als handele es sich nur um Schwierigkeiten bei den Grundrechnungsarten von Addition und Substraktion.

Der christdemokratische Europa-Parlamentarier Reimer Böge zählt sicher zu den wenigen EU-Abgeordneten, die die diffizile Struktur des EU-Haushalts wirklich durchschauen. Seit Januar 2007 ist er Vorsitzender des wichtigen Haushaltsausschusses des Europäischen Parlaments. Seine „Einarbeitungszeit“ war der schwierigen Materie angemessen – von 1999 bis 2006 war er Stellvertretender Vorsitzender. Der Landwirt aus Hasenmoor, dies ist auch seine Geburtsort im Jahr 1951, ist bereits seit 20 Jahren Europa-Abgeordneter. Zu Europa habe er über die Landjugendarbeit in Schleswig-Holstein gefunden. Schon frühzeitig, sagt er, habe er versucht, Europa-Engagement und seinen Beruf als Diplom-Agraringenieur und Landwirt miteinander zu verknüpfen.

Man spürt Stolz, wenn er über die Kombination von bäuerlicher Feldarbeit und politischer Praxis spricht. Wenn er vom Melken erzählt, vom Rübenhacken, von dem Drei-Generationen-Leben im Hof in Hasenmoor – und dann von der „harten Nummer“ im BSE-Kontrollausschuss des EU-Parlaments 1997, wo er es als Berichterstatter mit dem heiklen Thema des BSE-Skandals zu tun hatte.
Böge empfindet es als ein „Privileg, hier im Europa-Parlament arbeiten zu dürfen“. Er versteht sich als Interessenvertreter der Bürger, gerade weil er bei seinen Gesprächen in Schleswig-Holstein immer wieder mit Vorurteilen über die Bürgerferne „der da in Brüssel“ konfrontiert wird. „Ich versuche, über Betroffenheit mehr an Wissen über Europa und Brüssel zu vermitteln.“ Dies und 20 Jahre Erfahrung mit den verwickelten Arbeits- und Entscheidungsabläufen im EU-Parlament sind ihm offenkundig Motiv, das gewonnene Wissen auch weiterhin für die europäische Sache einzusetzen. Böge ist mit einem beeindruckenden 100-Prozent-Stimmenergebnis zum Spitzenkandidaten der CDU Schleswig-Holstein für die Europawahl 2009 gewählt worden. Will Teichert[] Nächste Woche: Die „glorreichen Fünf“ des EU-Parlaments

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