Zum Rücktritt von Dr. Christian von Boetticher

Im Anschluss an die Sitzung des geschäftsführenden CDU-Landesvorstandes erklärte die stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Angelika Volquartz:

Der geschäftsführende Landesvorstand der CDU Schleswig-Holstein nimmt die Entscheidung ihres Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2012 mit Respekt zur Kenntnis.

Tatsache ist, dass die Liebesbeziehung von Christian von Boetticher mit einer damals 16-Jährigen unstrittig rechtlich zulässig gewesen ist. Christian von Boetticher hat aber deutlich gemacht, dass er die moralische Komponente falsch eingeschätzt hat. Dafür hat er sich öffentlich entschuldigt und daraus mit seinem heutigen Rücktritt vom Amt des Landesvorsitzenden und dem Verzicht auf die Spitzenkandidatur die Konsequenzen gezogen. Diese Konsequenzen dienen seinerseits vor allem dem Schutz seiner Privatsphäre. Wir bitten ausdrücklich, diese Privatsphäre aller beteiligten Personen jetzt auch zu schützen und zu respektieren.

Davon bleibt die politische Leistung von Christian von Boetticher unberührt. Für den geschäftsführenden CDU-Landesvorstand ist sein politisches Talent unstrittig: Schon als junger Europaabgeordneter verbanden sich große Hoffnungen mit ihm. Seine Leistungen als Umwelt- und Landwirtschaftsminister sind hoch anerkannt und bleiben es. Sein Amt als Fraktionsvorsitzender hat er gerade im vergangenen Jahr im Zuge der schwierigen Entscheidungen zur Haushaltskonsolidierung mit hohem Engagement für unser Land wahrgenommen. Deshalb bedauert der geschäftsführende Landesvorstand die aktuelle Entwicklung zutiefst.

 

Kiel – CDU-Spitzenkandidat Christian von Boetticher ist Sonntagabend um kurz vor 21 Uhr von seinen Ämtern als Spitzenkandidat der CDU für den Landtagswahlkampf zurückgetreten. Auch den Landesvorsitz hat er unter Tränen abgegeben. Über den Fraktionsvorsitz soll am Dienstag entschieden werden. Auslöser ist eine Beziehung des Politikers zu einem 16-jährigen Mädchen.

21. 35 Uhr Christian von Boetticher: „Am 19. Juli wurde ich in meinem Urlaub vom Ministerpräsident Carstensen dann mit Spekulationen konfrontiert, die eine Beziehung zu einer jungen, unter 18-jährigen Frau im Frühjahr 2010 betrafen. Darüber war ich sehr erschüttert. Ja, es ist wahr: Ich hatte mich im Frühjahr 2010 in eine junge Frau verliebt und bin mit ihr mehrere Monate zusammengewesen. Diese sehr ungewöhnliche Liebe ist auch von unserem Umfeld akzeptiert und auch unterstützt worden. Und um es deutlich zu sagen, ich habe zu diesem Zeitpunkt keinerlei Beziehung zu einer anderen Frau gepflegt, so dass man nicht von einer Affäre sprechen kann. Es war schlichtweg Liebe.“

21.32 Uhr Christian von Boetticher weiter: „Ich bin seit der Übernahme des Landesvorsitzes der CDU im September letzten Jahres immer wieder mit Spekulationen über mein Privatleben konfrontiert worden. Da gab es mehrere Journalisten, die sicher zu wissen glaubten, dass ich schwul sei und ein Outing erwarteten. Es wurde sogar später behauptet, meien aktuelle Partnerin sei gar nicht meine Partnerin und nur vorgeschoben, schließlich lebten wir ja nicht zusammen. Ich habe zu all diesen Dingen stets geschwiegen, weil auch die Kommentierung von solchen Mutmaßungen in meinen Augen schon den ersten Schritt zur Öffnung meines privaten Umfeldes beinhaltet hätte.“

21.29 Uhr Auszüge aus der Rede von Christian von Boetticher: „Die Nominierung zum Spitzenkandidaten ist eine große politische und persönliche Herausforderung. (…) Diese Aufgabe und erst recht das angestrebte Amt schließt in einem gewissen Umfang auch den Blick in die sonst geschützte Privatsphäre ein. Sie wissen, dass (…) ich mein Privatrleben nicht aktiv in die Öffentlichkeit getragen habe. Dies geschah auch zum Schutz meines privaten Umfelds, welches trotz meines Engagements in der Politik, ein Recht auf ein eigenes Leben außerhalb der Öffentlichkeit hat und dies auch einforderte. Diesen Anspruch stelle ich auch heute noch, nachdem mein Privatleben öffensichtlich immer mehr in die Medien gezogen werden soll. Trotz meiner daraus resultierenden Einstellung, politisches und privates Umfeld strikt auseinander zu halten, sehe ich jetzt gegenüber meiner Partei und der Öffentlichkeit persönlcihen Erklärungsbedarf.“

Über die weiteren Schritte wird der erweiterte Landesvorstand in seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 16. August, entscheiden.

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