Brief zur Fortsetzung des Rettungsdienstes im Kreis Segeberg durch das DRK

ci_59665Das Deutsche  Rote Kreuz und der Verein für Krankentransporte KBA Norderstedt laufen Gefahr, ab 2019 den Vertrag mit  dem Kreis über den Rettungsdienst zu verlieren. Ein Vorschlag der Kreisverwaltung sieht vor, die Aufgaben auf die öffentlich-rechtliche Rettungsdienst- Kooperation Schleswig-Holstein (RKiSH) zu übertragen.

Die CDU hat angekündigt, am DRK festzuhalten zu wollen. Am 8. Dezember entscheidet der Kreistag.

Dazu erreichte den Fraktionsgeschäftsführer Uwe Voss und einige weitere Kreistagsabgeordnete dieser Brief eines Betroffenen:

Sehr geehrte Damen und Herren Mitglieder des Ausschusses für Ordnung, Verkehr und Gesundheit des Kreistages Segeberg.

Mein Name ist Lars Schlegelmilch. Ich bin 38 Jahre alt, und seit über 16 Jahren im Rettungsdienst des DRK Segeberg tätig.

Als ich im April 2001 meine Anstellung beim DRK begann, war für mich innerhalb weniger Wochen klar, dass ich meine Zukunft hier sehen würde. Damals war ich noch Junggeselle und zog aus Kiel gleich nach Bornhöved. Dort gründete ich eine Familie mit zwei Kindern und wir bauten 2002 unser Haus in Tensfeld.

Vom ersten Tag bis heute ist das Rote Kreuz als Arbeitgeber ein fester Bestandteil meines Lebens – ein konstanter und zuverlässiger Bestandteil, der mir in vielen Lebenslagen mit Stabilität und Zuverlässigkeit Rückhalt gegeben hat. Kurze Entscheidungswege, Vorgesetzte, die immer ein offenes Ohr für die Kollegen haben, gute Gehälter, von Kollegen entwickelte Dienstpläne und moderne materielle Ausstattung sowie unser familiäres Klima in den Dienstgruppen sind Gründe weshalb ich und viele meiner Kollegen schon sehr lange beim DRK arbeiten. Wir werden in viele Entscheidungsprozesse einbezogen. So haben wir beispielsweise unsere Rettungswache in Seedorf mitgestalten können, Ideen für einen Umbau in Segeberg eingebracht, Fahrzeuge mitgestaltet, Dienstplanmodelle erstellt und leben mit einem sehr aktiven Betriebsrat.

Viele von uns engagieren sich nebenbei ehrenamtlich…auch beim DRK. Wir sind in Bereitschaften organisiert, die rund um die Uhr einsatzbereit sind, um in Notlagen zu helfen. Wir betreuen viele Verletzte oder Betroffene, wir versorgen Erkrankte und Helfer mit Essen, wir betreuen Veranstaltungen wie die Karl-May-Festspiele, Oktoberfeste, Reitveranstaltungen, Stadtfeste u.v.m.

Wir sind aktiv in der Motorradstaffel und unterstützen die Hundestaffel. Ich könnte die Liste noch weiterführen. Was ich damit sagen möchte: wir leben unseren Beruf, der für die meisten ein Traumberuf ist und werden dabei vom DRK reichlich unterstützt, um Beruf und Ehrenamt verbinden zu können.
Seit vielen Jahren sind wir Kollegen immer wieder auch gefordert, auf neue Anforderungen zu reagieren. So stellt uns jede durch Gutachter empfohlene Änderung in den Zeiten der

Rettungswagenvorhaltung vor große Aufgaben und auch persönliche Veränderungen. Wir müssen neue Kollegen einstellen, anlernen und ins Team integrieren aber auch neue Dienstzeiten umsetzen, die wiederum unser Privatleben beeinflussen. Das haben wir immer gerne gemacht und umgesetzt. Denn wir fühlen uns dadurch auch bestätigt, dass unsere Arbeit vom Kreis geschätzt wird.

Ich und meine Kollegen sind überrascht, verwundert und auch enttäuscht, dass wir aus der Presse erfahren mussten, dass unsere Arbeit eventuell in die Hände Anderer gelegt werden soll. In wenigen Wochen wird unsere seit Jahrzenten geleistete Arbeit zur Disposition gestellt. Wir sind als Arbeitnehmer verunsichert, da wir nicht wissen, was uns erwartet.

Momentan ist unsere Situation sehr gut. Wir werden nach DRK-Tarif bezahlt, der über dem Niveau des öffentlichen Dienstes liegt. Um das Gleiche zu verdienen müssten wir viel mehr nachts und am Wochenende arbeiten. Außerdem wird im DRK-Tarifvertrag die wöchentliche Arbeitszeit von derzeit 48 Stunden schrittweise abgesenkt.

Wir haben vor Kurzem erst Arbeitszeitmodelle entwickelt und eingeführt, die es einigen von uns ermöglichen, weder nachts noch am Wochenende arbeiten zu müssen – und das bei fast gleichem Gehalt. Damit können einige von uns auch im höheren Alter noch arbeiten oder auch besser ihr Familienleben gestalten.

Auch die Zuordnung zu unseren Rettungswachen würde in Zukunft wohl nicht mehr so zuverlässig stattfinden. Wir wären für den gesamten Bereich der RKiSH angestellt und müssten eventuell sehr weite Fahrwege in Kauf nehmen, die unsere ohnehin schon langen Arbeitszeiten von 12 Stunden noch weiter verlängern würden.

Die eventuell anstehenden Veränderungen brächten auch eine große Unsicherheit unter uns mit sich. Denn wir alle wissen, dass bei einer so massiven Umstrukturierung, wie sie in der Presse dargestellt wird, unsere Arbeitsverträge auf Dauer keine Gültigkeit mehr hätten.

Keiner von uns weiß, wie genau es in zwei, drei Jahren weiterginge. Wie würden wir eventuell übernommen? Wie würden wir eingruppiert werden? Würde unsere Betriebszugehörigkeit anerkannt? Hätten wir wieder eine Probezeit? Wie würden sich unsere bewährten Strukturen entwickeln? Würden wir auch weiterhin in dem uns bekannten Maß an den innerbetrieblichen Entscheidungen beteiligt? Bekommen Kollegen, die ein Haus bauen wollen, überhaupt noch einen Kredit? Wie sollen unsere jungen Kollegen ihre Familie planen? Was geschieht mit den 15 zuletzt erst neu eingestellten Kollegen? Könnten wir auch in Zukunft unseren Beruf mit dem Ehrenamt so gut verbinden?

Deshalb bitte ich Sie als unsere demokratisch gewählten Vertreter unsere Interessen bei Ihren

Überlegungen zu berücksichtigen und nach Lösungen zu suchen, die es uns ermöglicht gemeinsam unsere gute, seit Jahrzehnten bewährte Zusammenarbeit auf einem angepassten Fundament fortzuführen.

Ich schließe meine Ausführungen auch im Namen meiner Kollegen mit viel Hoffnung.

Lars Schlegelmilch
Bad Segeberg, den 11.11.2016

 

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