Rede von Innenminister Hans-Joachim Grote zur Reichspogromnacht in Bad Segeberg

Innenminister Hans-Joachim Grote in Bad Segeberg: Die Erinnerung an die Reichspogromnacht mahnt zum Eintreten der Zivilgesellschaft für die Demokratie

Innenminister Hans-Joachim Grote

BAD SEGEBERG. Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote hat heute (9. November 2019) anlässlich der Gedenkfeier an die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Bad Segeberg dazu aufgefordert, aus den schrecklichen Ereignissen dieser Nacht und deren Folgen die notwendigen Lehren zu ziehen.

„Die Erinnerung an die Reichspogromnacht mahnt zum Eintreten der Zivilgesellschaft für die Demokratie. Wir dürfen nicht weggucken oder meinen, es ginge uns nichts an, wenn die neuen Nazis meinen wieder Oberwasser zu kriegen. Das kann mit Blick auf den heutigen 9. November  niemals eine Option für Demokratinnen und Demokraten sein. In solchen Momenten ist die so genannte schweigende Mehrheit gefragt, rechtzeitig mit friedlichen Mitteln für unsere Grundwerte und Grundrechte einzutreten“, erklärte Grote. „Gemeinsames Aufstehen für unsere Gemeinde, unsere Stadt, ist ein ganz starkes Zeichen einer intakten Gemeinschaft“.

Der Innenminister begrüßte angesichts aktueller Versuche von Nazis im Kreis Segeberg – vor allem auch in Sülfeld – die für den Nachmittag in Bad Segeberg geplante Demonstration. „Wir müssen zeigen, dass wir jeden Tag bereit sind, unsere Demokratie erneut zu verteidigen. Das gilt für unsere Sicherheitsbehörden und Polizistinnen und Polizisten, die mit ihrem Engagement und ihrer Arbeit das Gewaltmonopol unseres Staates sichern und durchsetzen. Das gilt aber auch für die überwältigende Mehrheit unserer Zivilgesellschaft, die sich des Werts der Freiheitsrechte in unserer Demokratie bewusst ist und für diese klar und deutlich, auch öffentlich und mit friedlichen Mitteln, Stellung bezieht. Extremisten müssen wissen, dass für sie kein Platz in unserer Gesellschaft ist“, so Grote.

Notwendig sei es, immer wieder und zu jeder Zeit aus der Erinnerung an historische Ereignisse die richtigen Lehren zu ziehen. „Die Lehre des 9. Novembers heißt, von Beginn an klare Kante gegen diejenigen zu zeigen, die unsere freiheitliche und friedliche Gesellschaft untergraben wollen. In unserer Demokratie kommt es auf das rechtzeitige bürgerliche Engagement jeder und jedes Einzelnen an“, sagte der Minister. Kein Tag eigne sich besser als der 9. November dafür, um Lehren aus der deutschen Geschichte zu ziehen. 1938 zerstörten Nazis in der Pogromnacht das Eigentum vieler Juden und leiteten damit den Genozid ein. 1989 sei in Folge des friedlichen Protestes der Zivilgesellschaft die Mauer gefallen und so die Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und Freiheit Wirklichkeit geworden.

„Frieden und Freiheit sind eben nicht selbstverständlich. Sie müssen jeden Tag wieder erarbeitet werden. Im Aufstehen gegen den Rechtsextremismus ist es wichtig, dass niemand wegsieht. Das wird sich nicht von allein erledigen! Schon in unserem Alltag, am Arbeitsplatz, im Verein, in der Ausbildung, in der Familie, vor allem aber auch in den sozialen Netzwerken müssen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus bereits im Keim erstickt werden“, so Grote. Dazu könne jeder seinen persönlichen Beitrag leisten. „Nehmen wir es nicht stillschweigend zur Kenntnis, sondern sagen Laut und deutlich ‚NEIN‘. Bleiben wir alle aktiv für unsere freie, friedliche und demokratische Gesellschaft“, sagte der Minister. „Ich danke Ihnen, dass Sie für ihre Stadt so offen eintreten und sich so deutlich positionieren.“

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