Katja Rathje-Hoffmann – Die Belastung der Pandemie bei Kindern wahrnehmen

Katja Rathje-Hoffmann MdL

Die Corona Pandemie ist für alle Teile der Gesellschaft eine enorme Belastung und Zumutung. Alte und junge Menschen leiden besonders. Mal laut und oft leise und mal mehr oder mal weniger beachtet.

Wir lenken mit unserem Antrag den Fokus auf die Kinder und Jugendlichen und besonders auf jene, die aus sozial schwachen oder besonders belasteten Umständen kommen.

Die jüngste Studie vom Hamburger UKE, die COPSY- Studie hat ergeben, dass beinahe jedes dritte Kind Hinweise auf eine psychische Belastung zeigt.

Im Vorfeld der Pandemie waren es vergleichsweise 20 Prozent.

Fast 85 Prozent aller Kinder und Jugendlichen empfinden diese aktuelle Krise als belastend.

Die Ängste und Sorgen der Kinder führen dann oft zu Kopfschmerzen und Niedergeschlagenheit und 40 Prozent der Kinder berichten zudem, dass sie keinen Sport mehr treiben und überhaupt keine Bewegung mehr haben.

Stattdessen, wir ahnen es schon, wird viel mehr Zeit am PC verbracht, natürlich auch wegen des notwendigen Home-Schoolings, das nur so überhaupt funktioniert während der Pandemie.

Dazu kommt noch erschwerend, dass sich die Stimmung in den Familien krisenbedingt verschlechtert.

Um uns als Landtag auch hier ein umfassendes Bild machen zu können, haben wir eine umfangreiche Expertenanhörung durchgeführt.

Besonders beeindruckend und sehr authentisch waren die Erläuterungen von Emma-Louise Döhler als Vertreterin des „Jungen Rates Kiel“.

Sie beklagt anschaulich die mangelnden Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche. Etwa ¾ von ihnen fühlen sich mit ihren Sorgen und Nöten nicht ernst genommen.

Corona verstärkt die unausgeglichenen Chancen, schon allein durch die notwendige technische Ausstattung, die nicht alle haben.

Was auch zu befürchten ist, sei dass die jetzt in der Corona-Zeit erworbenen Schulabschlüsse wohlmöglich künftig nicht als gleichwertig angesehen werden könnten.

Und auch sie bedauert am meisten das Fehlen der üblichen und notwendigen Kontakte. Kinder und Jugendliche wollen Gleichaltrige treffen. Das ist ihnen genauso wichtig, wie der Kontakt zu den Eltern.

Der Landesjugendring hat festgestellt, dass den Kindern viel zu oft ein Rückzugsort fehlt und es keinen Raum für private Erlebnisse gibt. Die Gruppe zu treffen, Freundinnen und Freunde kennenzulernen und sich auszuprobieren. Alles ist schwierig.

Wir müssen die Belange und Wünsche der jungen Menschen mitdenken und beachten. Der Landesjugendring als eine Vertretung der jungen Generation lobt ausdrücklich, dass die Jugendarbeit Bestandteil des Stufenplans der Landesregierung ist.

Es muss auch eine Perspektive für die verbandliche und die offene Jugendarbeit geben. Ebenfalls positiv bewertet wird, dass der Sport wieder eine Perspektive hat und Kinder in Gruppen wieder kontaktarm sporteln können.

Eine Perspektive benötigen auch die Kurse und Qualifizierungsmaßnahmen für Jugendleiterscheine und zu Trainerinnen und Trainern und zu Erste Hilfe-Lehrgängen.

Diese sind zur Zeit leider nicht erlaubt, werden aber sehr dringend gebraucht.

Jugendarbeit lebt vom ehrenamtlichen Engagement und davon, in der eigenen Freizeit Gutes zu tun.

Das Ausgefallene lässt sich gar nicht oder nur sehr schwer nachholen.

Genau hier brauchen wir eine Anpassung des Stufenplans.

Es ist erfreulich, dass sich seit dem 8. März wieder 10 Jugendliche kontaktarm treffen können, jedoch gilt das noch nicht für z.B. die Pfadfinder und weitere Bildungsangebote.

Bei den Kindern und Jugendlichen besteht der Wunsch, dass Jugendzentren als letzte pandemiebedingt zu schließen und so früh wie möglich wieder zu öffnen und zudem sollte es auch technisch angemessen ausgestattet sein.

Aus unserer Sicht ist die gesamte Jugendarbeit die Wiege zur demokratischen Grundhaltung und des demokratischen Miteinanders.

Wir dürfen gerade auch während der Pandemie Kinder und Jugendliche nicht aus den Augen verlieren.

Wir müssen hier gemeinsam als Gesellschaft und Politik handeln.

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