Lübecker Nachrichten: „Von der Förderung für Lastenräder halte ich nichts“

Auch wenn es längst Elektroautos gibt: Gero Storjohann fährt seinen alten Diesel weiter. Denn wenn er alles von der Herstellung über den Betrieb bis zur Verschrottung einrechne, sei ein Elektroauto genau so sinnvoll wie ein anderes Auto. Foto: Wolfgang Glombik

Auch wenn es längst Elektroautos gibt: Gero Storjohann fährt seinen alten Diesel weiter. Denn wenn er alles von der Herstellung über den Betrieb bis zur Verschrottung einrechne, sei ein Elektroauto genau so sinnvoll wie ein anderes Auto. Foto: Wolfgang Glombik

Gero Storjohann (63) ist der Platzhirsch im Wahlkreis Segeberg/Stormarn-Mitte – Er will es am 26. September auch nach fast 20 Jahren im Bundestag für die CDU noch einmal wissen

Bad Segeberg. Gero Storjohann muss sich keine Sorgen machen. Fast immer hat er den Wahlkreis (Wahlkreis Segeberg/Stormarn Mitte) als Nachfolger des CDU-Schlachtrosses Peter-Kurt Würzbach direkt gewonnen, und auch für die kommende Bundestagswahl ist er mit Platz 5 auf der Landesliste gut abgesichert, alles andere als ein Gewinn des Direktmandats wäre eine Sensation. Die LN trafen Gero Storjohann zu dem Gespräch im Ihlsee-Restaurant. Kurz danach stellte er sich auch der Senioren-Union als Kandidat vor.

Herr Storjohann, Sie sind Jahrgang 1958 und sind schon seit fast 20 Jahren im Bundestag. Warum wollen Sie es noch einmal wissen?

Bei uns sind die Kinder aus dem Haus, es macht mir Freude, mich für die Anliegen der Bürger/-innen im Wahlkreis einzusetzen, ich habe den dafür nötigen Einfluss und die Erfahrung und das Renteneintrittsalter ist für alle auf 67 Jahre festgelegt. Auch mit meiner Frau ist das so abgesprochen.

Wie sieht Ihre persönliche Bilanz aus? Wo haben Sie etwas bewirkt?

Das ist ja immer eine Gemeinschaftsleistung. Keiner kann von sich sagen, dass er alles alleine geschafft hat. Seit dem Abgang von Kanzler Schröder 2005 hat die CDU die Arbeitslosigkeit halbiert. Wir haben die Bürger gut durch drei schwere Krisen geführt. Ich setze mich für die A20, die A21, den Lärmschutz an Straße und Schiene und den Ausbau der S4 ein. Mit dem Digitalpakt stellt der Bund viel Geld für unsere Schulen im Wahlkreis zur Verfügung. Aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm konnte ich erhebliche Gelder für die Sanierung der Marienkirche in Bad Segeberg und St. Jacobi in Bornhöved in den Wahlkreis holen. Für den Breitbandausbau konnten wir 30 Millionen Euro für den Kreis Segeberg zur Verfügung stellen, um auch abgelegene Adressen anzuschließen. Das kommt dem Ostkreis zugute.

Sie sind ein alter Fuchs in der Bundespolitik, Haben Sie Ihren Gegenkandidaten Bengt Bergt aus Norderstedt, SPD-Bundestagskandidat – er ist quasi Quereinsteiger – schon kennengelernt?

Bengt Bergt hat sich im Juni telefonisch bei mir gemeldet. Wir bilden ja im Bund auch die große Koalition mit der SPD. Er hat keinerlei politische Erfahrung, nicht einmal auf kommunaler Ebene und wohnt auch erst seit einigen Jahren im Wahlkreis.

Können Sie sich CDU-Bundespolitik in Berlin ganz ohne Kanzlerin Angela Merkel vorstellen?

Ja, politische Ämter sind ja immer nur auf Zeit. Ich habe ja auch schon Wechsel in der Fraktionsführung miterlebt. Armin Laschet ist vom Typ her einer, der ähnlich wie Angela Merkel für Ausgleich ist. Er ist auch einer, der den Norden im Blick hat. Beispielsweise setzt er sich für die Verkehrsanbindung zum Hinterland am Hamburger Hafen ein und unterstützt auch weitere Verkehrsprojekte.

Stichwort Klimaschutz, Tierwohl, Artensterben, haben Sie nicht ein schlechtes Gewissen, wenn Sie Fleisch essen?

Ich esse das, was auf den Tisch kommt. Ausgewogene, gesunde Küche finde ich wichtig, es gibt bei uns auch viel Fisch und Gemüse. Zeitweise hatten wir in der Familie auch Veganer. Ich kenne das also. Ich selbst komme ja praktisch vom Bauernhof in Seth. Mein Großvater ist 1957 tödlich verunglückt, als er zwischen Trecker und Anhänger geriet. Wir hatten zehn Kühe. Schweine habe ich bei uns auf dem Hof auch noch erlebt. (Storjohann lacht) Mich haben sie als Kind in die Schweinebucht gesperrt, damit ich nicht weglaufe. Das war mein Laufstall.

Haben Sie selbst ein Elektroauto?

Nein, das macht für mich persönlich auch keinen Sinn. Ich habe zwei Autos, eines ist fünf Jahre, das andere 15 Jahre alt, beides Diesel. Die nutze ich noch, das sehe ich als nachhaltig an. Wenn ich Pendler wäre, würde ein Elektroauto Sinn machen. Ich kann dafür in meinem Garten aber keine Photovoltaikanlage für die Ladestation aufbauen, dazu müsste ich einige alte Bäume absägen. Das möchte ich nicht. Und wenn ich alles von der Herstellung über den Betrieb bis zur Verschrottung prüfe, ist ein Elektroauto genau so sinnvoll wie ein anderes Auto. Da gibt es in der CO2-Bilanz keinen Unterschied. Aber diese könnte besser werden, wenn jetzt immer mehr in die neue Technik einsteigen.

Sie selbst haben in Berlin einen fraktionsübergreifenden Parlamentskreis Fahrrad gegründet. Wenn Elektroautos mit viel Geld gesponsert werden, warum setzen Sie sich nicht für den Vorschlag der Grünen ein, auch Lastenräder zu fördern?

Es gibt eine Förderung für Firmen-Lastenräder, die wird auch gut angenommen. Aber nicht für private Lastenräder. Davon halte ich auch nichts, weil der Fahrradmarkt ohnehin überhitzt ist. Und in einen überhitzten Markt möchte ich nicht noch mehr Steuergelder geben. Vor fünf Jahren kam die Frage auf, ob man nicht auch E-Bikes fördern könnte. Inzwischen fährt die fast jeder und die Leute sind bereit, dafür auch mehr Geld auszugeben, weil die E-Bikes von der Ausstattung immer besser werden.

Werden Sie in Ihrer aktiven politischen Zeit noch den Bau der A 20 erleben?

Ja, den Baubeginn, das glaube ich schon. Ich habe mich immer für den A-20-Bau eingesetzt. Die ganze A 20 hat aber nur Sinn, wenn die Elbquerung kommt. Die Planungen waren ja weitgehend abgeschlossen, es scheitert im Augenblick an umweltrechtlichen Bedenken, die verzögern und zu Neuplanungen führen. Und dann muss aber auch Geld da sein. Etwa 40 Milliarden Euro werden aus dem Verkehrsetat für den Kohleausstieg in andere Regionen abfließen. Für mich bleibt das auf jeden Fall ein ganz wichtiges Infrastrukturprojekt für unsere Region.

Was wollen sie in den kommenden vier Jahren noch anstoßen?

Meine Arbeitsschwerpunkte werden die Verkehrspolitik und die Petitionen bleiben. Vor allem liegt mir der Ausbau der Infrastruktur und natürlich besonders der Fahrradinfrastruktur am Herzen. Als Gründungspate der Klima Union setze ich mich für eine umfassende Klimapolitik ein, die unsere Wirtschaftskraft erhält und global gedacht wird. Sehr wichtig ist mir auch die reale finanzielle Unterstützung von Familien – nur wir von der CDU wollen das Ehegattensplitting erhalten. Als letzter Punkt liegt mir echte Sicherheit am Herzen – nach innen und außen. Deutschland muss zukünftig mehr Verantwortung in der Welt übernehmen.

Artikel und Foto mit freundlicher Genehmigung von Wolfgang Glombik (Lübecker Nachrichten vom 08.09.2021)

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