Katja Rathje-Hoffmann – Wir wollen pflegende Angehörige wirksam entlasten

Rede der Landtagsabgeordneten Katja Rathje-Hoffmann am 25. November 2021 im Landtag Schleswig-Holstein.

Katja Rathje-Hoffmann MdL

Wie geht es den Angehörigen, zumeist den eigenen Kindern, auch jüngeren Kindern, die die eigenen Eltern pflegen?

Pflege im Alter hat oft mit körperlichen Einschränkungen zu tun und auch oft mit geistigen Veränderungen.

In der Altersgruppe der 65 – 70-jährigen Menschen leiden rund 3% unter einer Demenz. Die über 80-jährigen tragen das Risiko an Demenz zu erkranken, zu 20%.

Und ab einem Alter über 90 Jahren erkranken etwa ein Drittel an einer Demenz – mit ansteigender Tendenz, analog zum Alter.

Oft schleicht sich diese Erkrankung langsam in den Alltag der Betroffenen (zumeist sind es Senioren).

Bemerkenswert ist, dass die betroffenen nahen Angehörigen es vielfach nicht wahrhaben wollen.

Häufig wird eine beginnende Demenz und damit einhergehend, eine Pflegebedürftigkeit von der Partnerin oder vom Partner bewusst kaschiert und vertuscht.

Und das so lange, bis es sich eben nicht mehr zu verheimlichen lässt. Nach und nach verändert sich die Situation zum Schlechteren und oft über das Maß der Leistungsfähigkeit der Ehegatten hinaus.

Fachliche Hilfe und Unterstützung wird in den allermeisten Fällen viel zu spät in Anspruch genommen.

Das ist die traurige Wahrheit und Wirklichkeit !

In Schleswig-Holstein leben laut Bericht (Stichtag Ende 2019) 130.349 pflegebedürftige Männer und Frauen – mit steigender Tendenz, denn innerhalb von zwei Jahren gab es einen Anstieg um 19%.

Zuhause, oder außerhalb einer Pflegeeinrichtung wurden 95.232 Menschen gepflegt.

eider ist die konkret belegbare Anzahl der Pflegenden nicht bekannt, jedoch liegt die Anzahl der Pflegegeldempfängerinnen und -empfänger bei mindestens 63.439 Personen und nicht jeder oder jede beantragt diese Leistung.

In Schleswig-Holstein gibt es ca. 46.500 Demenzkranke und 49% davon erhalten das Pflegegeld.

Vollstationär, also zumeist im Heim Wohnende Pflegebedürftige machen einen Anteil von 27% aus.

Ambulante Pflegedienste sind mit 24% beteiligt.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass wir als Gesellschaft den pflegenden Angehörigen helfen müssen und für Entlastung sorgen müssen.

Pflegende Angehörige – das ist Deutschlands größter Pflegedienst!

Wir müssen sie vor Überforderung und Selbstausbeutung effektiv schützen. Wir müssen ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Mit nun endlich flächendeckenden Pflegestützpunkte, die stets kompetent beraten. Und endlich auch im Kreis Schleswig-Flensburg. Auf diesen Lückenschluss in der Beratung haben wir lange warten müssen.

Durch flächendeckende Versorgungs- und Betreuungsangebote in jedem Kreis und in jeder kreisfreien Stadt im Land.

Wichtig ist auch ein bedarfsgerechtes Angebot zur besseren Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Berufstätigkeit.

Durch Angebote in der Tages- und Nachtpflege und durch gute Angebote in der Kurzzeitpflege und vor allem auch in der solitären Kurzzeitpflege.

Hierzu stellt das Land seit diesem Jahr für die nächsten 5 Jahre insgesamt 10 Mio. Euro Haushaltsmittel zur Verfügung.

Und es freut uns ganz besonders das emsig an der Realisierung der solitären Kurzeitpflege gearbeitet wird.

Um die betreuenden Angehörigen Pflegenden wirksam zu entlasten – zum Wohle aller Beteiligten.

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