Hasenmoor – Mehr als 100 diskussionsfreudige Gäste folgten am Mittwoch der Einladung zur Veranstaltung „Landwirtschaft trifft Politik“ im Dorfgemeinschaftshaus Hasenmoor. Auf Initiative des CDU-Landtagsabgeordneten Ole Plambeck, finanzpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft und Politik zu einem intensiven und offenen Austausch zusammen.
Besonderer Gast des Abends war die Ministerin für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz des Landes Schleswig-Holstein, Cornelia Schmachtenberg. Ebenfalls begrüßte Plambeck den Sprecher für ländliche Räume der CDU-Landtagsfraktion, Sönke Siebke, sowie den ehemaligen Europaabgeordneten Reimer Böge in seinem Heimatwahlkreis.
In seiner Begrüßung betonte Ole Plambeck die enorme wirtschaftliche und strukturelle Belastung vieler Betriebe. Steigende Produktionskosten, volatile Agrarmärkte sowie unzureichende Erzeugerpreise für Milch, Fleisch und Getreide führten zu wachsendem wirtschaftlichem Druck. Hinzu komme der zunehmende Preisdruck durch den Lebensmitteleinzelhandel. Auch Fragen der regionalen Schlachtkapazitäten und stabiler Vermarktungsstrukturen spielten in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.
In ihrem Impulsreferat stellte Ministerin Schmachtenberg die aktuellen Herausforderungen für die Landwirtschaft in einen größeren Zusammenhang. „Alles ist miteinander verbunden“, betonte sie mit Blick auf internationale Märkte, europäische Vorgaben und bundespolitische Entscheidungen. Dabei ist das Mercosur-Abkommen als Chance zu sehen. Die zukünftige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union müsse so ausgestaltet sein, dass sie Planungssicherheit für Investitionen schaffe und Betriebe in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit verlässlich unterstütze.
Breiten Raum nahm die Diskussion um Bürokratie und Regulierung ein. Viele Landwirte berichteten von zunehmenden Dokumentationspflichten, komplexen Förderanträgen und engmaschigen Kontrollen, z.B. bei den Themen QS und QM. Auch langwierige Genehmigungsverfahren für Stallbauprojekte oder Biogasanlagen erschwerten notwendige Investitionen. Ein konsequenter Bürokratieabbau und verlässliche Rahmenbedingungen seien entscheidend, um Zukunftsinvestitionen überhaupt realisieren zu können.
Intensiv diskutiert wurden zudem Umwelt- und Naturschutzthemen. Dabei waren sich die Teilnehmer einig, dass sich Landwirtschaft und Umwelt- und Naturschutz als Partner verstehen sollen. Dabei ist es wichtig, die gute fachliche Praxis und den hervorragend ausgebildeten Landwirten Freiraum zu lassen. Die Auswirkungen der Düngeregelungen, insbesondere in sogenannten „roten Gebieten“, standen im Mittelpunkt der Diskussion. Dabei stellte die Ministerin die Regelungen im Hinblick auf das Gülle ausbringen auf gefrorenen Boden dar, was mehr Freiheiten für Landwirte schafft. Ebenso wurden Biodiversitätsauflagen, die Ausweisung zusätzlicher Naturschutzgebiete und Flächenvorkaufsrechte kritisch beleuchtet. Viele Betriebe sehen sich mit wachsender Flächenkonkurrenz konfrontiert – sei es durch Naturschutz, den Ausbau erneuerbarer Energien oder durch Siedlungsbau.
Im Bereich Tierhaltung und Tierwohl wurde deutlich, dass viele Landwirte bereit sind, ihre Ställe tiergerechter umzubauen. Voraussetzung sei jedoch eine verlässliche Finanzierung tiergerechter Stallanlagen sowie klare und praxisnahe Tierwohlstandards. Auch die Herkunftskennzeichnung von Produkten und mögliche Reduktionen von Tierbeständen wurden im Spannungsfeld zwischen Marktanforderungen und politischer Regulierung diskutiert.
Ministerin Schmachtenberg unterstrich abschließend die Notwendigkeit, Naturschutz und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen. „Gerade in Schleswig-Holstein, wo die Landwirtschaft das Rückgrat unserer ländlichen Räume ist, sind verlässliche Rahmenbedingungen entscheidend. Mir ist wichtig, dass die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union unsere Betriebe stärkt – und gleichzeitig Bürokratie abbaut.“
Zum Abschluss dankte Ole Plambeck allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die sachliche und engagierte Diskussion. Die große Resonanz zeige, wie wichtig der direkte Austausch sei. Der konstruktive Dialog zwischen Landwirtschaft, Gesellschaft und Politik sei wichtiger denn je, betone Ole Plambeck. Ziel bleibe es, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe in Schleswig-Holstein dauerhaft sichern.