Benefizkonzert mit Mirjam van Dam und Ed Boekee im Kleinen Theater Wahlstedt

Wahlstedt. Mit Gesang, Erzählungen und swingenden Klängen haben Mirjam van Dam und der Pianist Ed Boekee ihr Publikum im Kleinen Theater am Markt in Wahlstedt auf eine musikalische Reise durch die Geschichte des jiddischen Jazz mitgenommen.

Das Benefizkonzert bildete den Abschluss mehrerer erfolgreicher Veranstaltungen, die am Sonnabend in Bad Segeberg begonnen hatten und am Montagmorgen in Wahlstedt fortgesetzt worden waren.

Mirjam van Dam führte von der jüdischen Musik des alten Europas bis zur Lower East Side in New York. Dort verband sich jüdische Musik mit dem Jazz, während aus dem jiddischen Theater wichtige Impulse für die amerikanische Unterhaltungswelt und Hollywood hervorgingen.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Zusammenarbeit jüdischer Komponisten und Textdichter mit afroamerikanischen Jazzmusikern. So wurde der jiddische Jazz trotz seiner traurigen Vorgeschichte zugleich als hoffnungsvolles Beispiel für Begegnung, gegenseitige Inspiration und gemeinsames kulturelles Schaffen hörbar. Bezaubernde nostalgische Musik, Swing und jüdische Seele - neshome - prägten den Abend.

„Mirjam van Dam hat bereits im vergangenen Jahr die Verlegung der Gedenkplatten auf dem Segeberger Marktplatz musikalisch begleitet. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer wünschten sich danach ein abendfüllendes Konzert. Dieser Wunsch ist nun Wirklichkeit geworden“, erklärte die Bundestagsabgeordnete Melanie Bernstein.

Mirjam van Dam ist die Tochter der Zeitzeugin Rozette Kats. Damit verband der Konzertabend Musik und Familiengeschichte auf besondere Weise. Der Erlös kommt der Jugendarbeit der Jüdischen Gemeinde in Bad Segeberg sowie der Arbeit für die Stolpersteine in der Region zugute.

Drei erfolgreiche Veranstaltungen

Den Auftakt bildete am Sonnabend die Vorstellung des Geschichtspfads am Kalkberg im vollbesetzten Bürgersaal des Bad Segeberger Rathauses. Schülerinnen und Schüler präsentierten ihre Beiträge zur regionalen Erinnerungskultur; auch Rozette Kats berichtete dort als Zeitzeugin.

Am Montagmorgen folgte im ausgebuchten Kleinen Theater am Markt in Wahlstedt eine Begegnung mit rund 400 Schülerinnen und Schülern sowie ihren Lehrkräften. Rozette Kats erzählte ihre persönliche Familiengeschichte über Verfolgung, Überleben, Verlust und Identität. Nach ihrem Vortrag beantwortete sie die Fragen der Jugendlichen. Mit Blick auf die aktuelle Lage gab sie ihnen ein eindringliches Fazit mit auf den Weg: „Passt auf.“

Das Benefizkonzert am Montagabend schlug schließlich die Brücke von der Erinnerung zur Musik. Die drei Veranstaltungen zeigten auf unterschiedliche Weise, wie historisches Wissen, persönliche Begegnung und Kultur dazu beitragen können, Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen.

Foto (oben):
(vlnr.) Bad Segebergs Stadthistoriker und Stolperstein-Initiator Axel Winkler, Bad Segebergs Bürgermeister Toni Köppen, Mirjam van Dam, die Bundestagsabgeordnete Melanie Bernstein und Rozette Kats nach 3 erfolgreichen Veranstaltungen.