Wahlstedt. Eine eindrucksvolle Begegnung mit der Zeitzeugin Rozette Kats erlebten am Montag rund 400 Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lehrkräfte im ausgebuchten Kleinen Theater am Markt in Wahlstedt. Die Bundestagsabgeordnete Melanie Bernstein führte als Mitglied des Vorstands vom Kulturring Wahlstedt und Umgebung durch die Veranstaltung.
Den musikalischen Rahmen gestaltete Rainer Bielfeldt am Piano und mit Gesang. Er interpretierte Lieder und Texte nach Mascha Kaléko und präsentierte eigene Lieder.
Rozette Kats erzählte ihre persönliche Familiengeschichte über Verfolgung, Überleben, Verlust und Identität. Sie überlebte die Shoah, weil ihre Eltern sie als Säugling verstecken ließen. Ihre Eltern und ihr kleiner Bruder wurden in Auschwitz ermordet. Ihre Erinnerungen machten deutlich, wie Angst, das Verbergen der eigenen Identität und die Erfahrung von Ausgrenzung ein ganzes Leben prägen können.
Im Anschluss an den Vortrag hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Auf die Frage nach ihrer Einschätzung der aktuellen Lage gab Rozette Kats ihnen ein ebenso kurzes wie eindringliches Fazit mit auf den Weg: „Passt auf.“
„Die Begegnung vermittelte den jungen Zuhörerinnen und Zuhörern eine klare und hochaktuelle Botschaft: Kein Mensch darf wegen seiner Herkunft, Religion, Identität oder Lebensweise ausgegrenzt oder verfolgt werden. Jede Form der Diskriminierung widerspricht den Werten der Demokratie und der Menschlichkeit “, erklärte die Bundestagsabgeordnete Melanie Bernstein.
Die große Resonanz auf die vollständig ausgebuchte Veranstaltung unterstrich die Bedeutung persönlicher Zeitzeugengespräche für die historisch-politische Bildung. Sie geben jungen Menschen die Möglichkeit, Geschichte nicht nur aus Büchern zu lernen, sondern durch die Lebensgeschichte eines Menschen unmittelbar zu begreifen.
Bereits am Sonnabend wurde im vollbesetzten Bürgersaal des Bad Segeberger Rathauses der Geschichtspfad am Kalkberg unter Mitwirkung von Melanie Bernstein und Rozette Kats vorgestellt. Schülerinnen und Schüler präsentierten dabei ihre Beiträge zur regionalen Erinnerungskultur.
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Melanie Bernstein und Rozette Kats in der Fragerunde mit Schülerinnen und Schülern